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3 mal Schnippsen 3 times snap Image by Gerd Altmann from Pixabay

3 Mal Schnippsen

Wenn man Pick Up lange genug betrieben hat, rutscht man nicht mehr unter ein bestimmtes Grundlevel. Es sei denn vielleicht, man schließt sich über Jahre zuhause ein und meidet jede Form des sozialen Kontakts. 

Dennoch ist das Kribbeln nach einer längeren Pause schon intensiver spürbar. Allein, man lässt sich von seinen Gefühlen nicht mehr so leicht kontrollieren oder gar an der Nase herumführen. Die sogenannte Ansprechangst hat nicht mehr viel Macht über einen. 

Was dem einen seine 3-Sekunden-Regel ist, ist mir mein 3 Mal Schnippsen: 1. 2er Set auf dem Parkplatz vorbei ziehen lassen – einmal geschnippst! 2. HB an der Bushaltestelle nicht angesprochen – zweites Mal geschnippst. 3. HB in weißem Sommerkleid vorüber gehen lassen – drittes Mal geschnippst und damit der Zwang, sie anzusprechen. 

Da sie HB8 (schätzungsweise 28) vorbeigezogen war, musste ich einen Run-around-stop machen – alte Schule, wirkungsvoll, aber keinesfalls optimal. Als ich mich gerade anschickte, die 10 Meter Distanz zwischen uns aufzuholen, die sie mittlerweile zurückgelegt hatte – und gleichzeitig einen motivierenden Blick auf ihren Hüftschwung fixierte -, geschah es: sie blickte sich über die Schulter um. – Sie hatte mich also auch gesehen…das kam mir entgegen. 

Etwas aus der Übung; blieb ich dennoch bei meinem „Brot-und-Butter-Game“. Nach dem erwähnten Stop und dem Pre-Opener („Excuse me“), gab ich ihr eine sanfte Qualifizierungsfrage:“Do you speak English?“ Nicht nur, dass ich damit gleich diejenigen rausfiltere, die kein richtiges Englisch können. Sondern ich bringe das HB schon früh dazu, sich zu qualifizieren und mir die Führung zu überlassen. Gerade Frauen aus traditionelleren Ländern (Süd- und Osteuropa) fühlen sich sehr wohl, wenn sie von einem Mann geführt werden. 

In diesem Fall bekam ich allerdings ein von starkem osteuropäischen Akzent durchsetztes No! als Antwort – der Filter hatte also zugeschlagen. Für „Я учу русский язык“, „один год“ und ein verzweifeltes „говорю немного по русский язык“ hat es gerade noch gereicht. Sie strahlte mich an wie ein unerreichbarer Schatz und ich resignierte, indem ich ihr „хорошего отпуска!“ (einen schönen Urlaub) wünschte. 

Ich merke jeden Tag, dass zwischen dem Lernen einer Sprache und dem alltagstauglichen Sprechen derselben noch Welten liegen. Ich nehme mir vor, noch öfter die Gelegenheiten zu nutzen. Dabei mangelt es mir normalerweise an Gelegenheiten nicht: ich habe Freunde in Russland und der Ukraine, und Zypern ist gleichzeitig so etwas wie das Mallorca Russlands. 

Aber tatsächlich sind die Strände aktuell immer noch erschreckend leer. Ich nehme an, das liegt an dem letzten Lockdown. Viele Russen, die ich kenne, fliegen nicht jedes Jahr in Urlaub. Für sie ist eine Reise in die Türkei oder nach Zypern immer noch ein Luxus, den man sich keinesfalls jedes Jahr leisten kann. Ich kann mir vorstellen, dass daher viele potenzielle Touristen dieses Sommers Angst davor haben, dass wieder ein Lockdown kommen und ihnen dann die erste Ferienreise seit Jahren vermiesen könnte. Vielleicht bleiben sie daher aus Unsicherheit in diesem Sommer lieber daheim. 

Der Finikoudes ist jetzt jedenfalls (im Gegensatz zu Ende April) weitgehend leer. Auch die anderen Städte wie Limassol oder Nicosia und die schönen Strände von Ayia Napa sind eher von Einheimischen (wie beispielsweise mir) bevölkert. Es wird sich zeigen, was und wieviel dieser Sommer bringt. Einer meiner Geschäftspartner sagt immer:“Es gibt für jedes Problem eine Lösung.“ – ob er damit Tinder meinte? 😉 

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